6. Sonntag der Osterzeit – A: 1Petr 3,15-18
(Linz − Ursulinenkirche, 10. V. 2026)
Unsere Ursulinenkirche versteht sich seit vielen Jahren als Kunst- und Kulturkirche von Linz. Die Begegnung mit Kunst ist für mich aber kein bloßes kulturchristliches Sahnehäubchen, sondern spirituelle Quelle. Was ich daran besonders schätze, ist die Erinnerung daran, dass es – v.a. in der bildenden Kunst und in der Musik – auch Sprachen jenseits des gesprochenen Wortes gibt: keineswegs defizitäre, eher komplementäre Sprachen, welche noch Verständigung und Einsicht ermöglichen, wo das gesprochene oder geschriebene Wort an Grenzen stößt oder gar missverständlich wird. – Diese Erfahrung wirft auch ein besonderes Licht auf einen Kernsatz der heutigen Lesung aus dem 1. Petrusbrief:
„Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“, heißt es da – und weiter: „aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig.“ Ich habe diesen Zusatz bislang zumeist überlesen. Nun ahne ich seine mögliche Bedeutung: Mit dem „Rede und Antwort-Stehen“ ist gar nicht so sehr ein sprachliches, wortreiches Geschehen gemeint, kein theologischer Diskurs etwa zur intellektuellen Begründung christlichen Glaubens und christlicher Hoffnung, wie mir am Anfang meines Theologie-Studiums dieser Bibelvers nahegebracht und erklärt wurde. Genau darum aber geht es vermutlich gar nicht: Gerade keine große Rede ist gemeint, sondern bescheidene Antwort, die in ihrer Bescheidenheit zugleich Ausdruck unverdrossener Selbstbewusstheit und Festigkeit ist.
Vielleicht ist die Bescheidenheit, von welcher der Petrusbrief spricht, sogar ein Gegenbegriff zu einer besonders problematischen Tendenz christlicher und zumal theologischer Rede: der vorschnellen Gottesrede, mit der allzu rasch und vermeintlich fromm Gott ins Spiel gebracht bzw. über Gott allzu genau Bescheid gewusst wird. Vielleicht zielt der Kernsatz der heutigen Lesung mit seiner Ermahnung zur Bescheidenheit und Ehrfurcht gerade auch darauf ab: auf eine allzu selbstsichere rhetorische „Gottesgewissheit“.
Ja, vielleicht bedeutet „bescheiden Rede und Antwort stehen“ in unserem Zusammenhang überhaupt kein Reden mehr in der Sprache des Wortes, sondern vielmehr etwas ganz anderes: ein unverdrossenes, selbstverständliches Handeln, in dem selbst Hoffnung sichtbar wird. Ist nicht die konkrete Praxis eines Menschen ein viel überzeugenderer Ausdruck seiner Anschauungen, seiner Haltungen und auch Hoffnungen – überzeugender als jede noch so geschliffene oder fromme Rede? Bezeugt den „religiösen Glauben“ eines Menschen nicht letztlich seine besondere Lebenspraxis – weitaus mehr und v.a. glaub-würdiger als sein bloß gesprochenes, vielleicht gar wortreiches Bekenntnis? Ja, darf hierin nicht sogar eine Analogie behauptet werden zwischen authentischem Glauben und qualitätvoller Kunst: dass sie jeweils aus sich und für sich selbst sprechen – und der wortreichen Erklärung gar nicht bedürfen, oder eine solche überhaupt keinen Mehrwert böte?
„Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt, aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen.“ – Das könnte also bedeuten: Das couragiert, also beherzt tun, was man als notwendig erkennt, bzw. das offen aussprechen, was man für angebracht hält; dabei aber stets eine bescheidene Selbstverständlichkeit walten lassen – ohne frommes und wortreiches Pathos, sondern einfach weil Gewissen und Verantwortung es gebieten. Vielleicht ist das schon Rede und Antwort-Stehen genug im Sinne des Petrusbriefs: nämlich Ausdruck einer festen, in sich ruhenden Hoffnung, die das Ziel einer couragierten Tat oder eines offenen Worts weder aufgegeben noch selbst resigniert hat.
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