19. Sonntag im Jahreskreis – A:
1Kön 19,9ab.11b-13 / Mt 14,22-33
(Linz − Ursulinenkirche, 09. VIII. 2026)
Hier – im Evangelium – der Gottessohn Jesus, der mit den Naturgesetzen spielt und sich vor seinen Gefährten als souveräner Dompteur der Naturgewalten erweist; dort – in der Lesung aus dem Ersten Testament – Gott, der zu seinem machtvollen Propheten Elija gerade nicht lautstark in Sturm, Erdbeben und Feuer spricht, sondern in einem zarten, sanften Säuseln. – Wie geht das zusammen? Wie lässt Gott sich nun vernehmen? Woran ist seine Stimme erkennbar? – Die einzige Antwort, die beide Erzählungen auf einen Nenner bringt: Gott begegnet anders als erwartet.
Der Gottesmann Elija zählt zu den kraftvollsten Gestalten der gesamten Bibel, von seinem Charakter her gewiss kein Mann der leisen und sanften Töne. Sein brennender Eifer für den Gott Israels und gegen die konkurrierenden Fruchtbarkeitsreligionen und die Vielgötterei der Nachbarvölker mündet wiederholt in drastische Aktionen von archaischer Gewalt. Man sollte meinen, dass das auch seiner Gotteserfahrung entspricht – aber das Gegenteil ist der Fall: Ausgerechnet ihm offenbart Gott sich ganz sanft und leise.
Wie anders die Gotteserfahrung der schreckhaft sich in ihrer sturmgebeutelten Schaluppe verschanzenden Gefährten Jesu! Sie müssen erkennen und erfassen, dass ihr Messias nicht mit ihnen im selben Boot sitzt, sondern draußen zu finden ist – über den stürmisch aufgewühlten, bedrohlich bodenlosen Wellen.
Diese Bibelstellen können bedeuten: Gott begegnet gerade nicht dort, wo man ihn gerne hätte – im jeweils bevorzugten, weil sicheren und gewohnten Rahmen. Gott spricht nicht in der vertrauten Sprache, die man bereits kennt und beherrscht. Gottes Gegenwart und Stimme lassen sich erfahren – aber dazu muss der Mensch den Rand seiner vermeintlich sicheren Lebenswelt übersteigen und hineinhören ins Neue, ins Andere und Unerhörte.
Das ist gewiss keine angenehme Botschaft für alle, die sich gut und behaglich eingerichtet haben in dieser Welt und in Sicherheit wähnen. Denn sich darauf einzulassen, erfordert Mut und die Bereitschaft, die eigenen Gottesvorstellungen und damit den Rahmen der bisherigen Existenz erschüttern und in Frage stellen zu lassen. Allen aber, deren Leben unsicher und prekär geworden ist, die ohnehin aufbrechen müssen, um sich neu zu orientieren und verankern – all denen kann diese Botschaft gerade Trost und Ermutigung werden.
In unserer durch multiple Krisen gebeutelten Zeit trifft genau das unsere Gesellschaften als Ganze ebenso wie uns alle persönlich. Wir leben in einer Zeit allgemeiner Unsicherheit und Verunsicherung. Man kann sich in so einer Situation – wie die Gefährten Jesu in ihrem Boot – zusammenkauern und das Ende der Nacht herbeizittern; oder man bleibt – wie Elija – bei seinen bewährten Konzepten und sucht Gott dort, wo man ihn schon bisher verortet hat: Ankurbelung des Wirtschaftswachstums, militärische Aufrüstung zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit, Umschichtung der Kapitalveranlagung auf Krisengewinn-Sektoren, unter allen Umständen jedenfalls Besitzstandswahrung. – Die biblischen Lesungen ermutigen demgegenüber aber zu einem anderen Weg: Gott dort suchen, seine Stimme genau dort vermuten, wo es ungewohnt und unsicher ist. Vielleicht spricht Gott zu uns ja gerade inmitten und durch die Krisen, die wir erleben. Das aber würde bedeuten, Krisen gerade nicht als Störung zu begreifen und wahrzunehmen, sondern als „Zeichen der Zeit“, die es zu lesen, bzw. als Stimme Gottes in dieser Welt, die es zu hören gilt.
Ich tappe dabei selbst oft im Nebel und weiß nicht so genau, was Gott uns in manchen Krisen sagen will. Aber es macht bereits einen wesentlichen Unterschied, ob man eine Krise bloß als lästige Störung bekämpft oder ihr als just jenem Ort begegnet, an dem Gott womöglich sein segensreiches Wort spricht und gegenwärtig ist…
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